Canonet QL17 GIII
Die Canonet ist so etwas wie das Paradepferd unter den "compact Rangefinders" der 1970er Jahre. Das liegt sicherlich zum Teil an ihrer weiten Verbreitung (es wurden über 1.2 Millionen Stück produziert), zum anderen aber auch an ihrer Funktionsvielfalt und dem technischen Aufwand, mit der hier eine Kamera gebaut wurde, die dennoch hinter den damals gerade modern gewordenen SLRs immer in der zweiten Reihe stehen würde. In der Messsucher-Renaissance erzielte die Canonet mit die höchsten Preise auf dem Gebrauchtmarkt, zeitweise wurden über 200 Euro / US$ gezahlt. Unter diesen Umständen konnte ich eine Gelegenheit, eine Canonet GIII mit Originalblitz und Tasche für unter 60 Euro zu erwerben einfach nicht vorbeigehen lassen, obwohl sie eigentlich gar nicht auf meiner Anschaffungsliste stand. Bei der Canonet, speziell beim letzten und ausgefeiltesten "GIII"-Modell, scheinen die Canon-Ingenieure von dem Wunsch beseelt gewesen zu sein, alles noch ein bisschen besser und ein bisschen aufwendiger zu machen als die Konkurrenz. Was bei den meisten Kameras mechanisch funktioniert (z.B. die Filmempfindlichkeitseinstellung), ist bei der Canonet häufig elektonisch. Andererseits ist der Verschluss vollmechanisch und die Belichtungsautomatik ist abschaltbar, sodass die Canonet auch ohne Batterie voll nutzbar bleibt. Nur halt ohne Belichtungsmessung. Aber schauen wir uns die Funktionen mal der Reihe nach an: Lichtstarkes Objektiv mit moderater
Weitwinkelperspektive. An sich nichts besonderes in
dieser Klasse. Ich bin mit den Resultaten meiner ersten
beiden Filme sehr zufrieden, aber in diversen mehr oder
weniger professionellen Testberichten zufolge schneidet
das Objektiv eher als "sehr gut, aber nicht herausragend"
ab. Blendenautomatik, abschaltbar. Im manuellen Betrieb
ist auch der Belichtungsmesser abgeschaltet, was ein
für mich etwas unverständlicher, aber dennoch
weit verbreiteter Umstand ist. Die Belichtungszeiten
gehen runter bis 1/4 Sekunde. Blitzautomatik. Die in dieser Klasse weit verbreitete
Flashmatic (Regelung der Blende in Abhängigkeit von
Motivabstand und Leitzahl des Blitzes ist hier auf die
Spitze getrieben: Mit dem speziell auf diese Kamera
abgestimmten Canolite-D Blitzgerät kann man die
Kamera einfach auf Automatik lassen. Durch das
bloße Einschieben des Blitzes in den Hot shoe
schaltet sich der Blitzmodus ein. Der Auslöser
blockiert, wenn das Motiv außerhalb der
Blitzreichweite ist und auch, wenn der Blitz
ausgeschaltet oder noch nicht betriebsbereit ist. Zu
diesem Zweck gibt es einen zweiten Kontakt im Hot shoe,
der die entsprechenden Daten vom Blitz abfragt. Das vereinfachte Filmeinlegen hätte ich beinahe vergessen. Wie Peter Lausch schreibt, ist zwar eigentlich nicht einzusehen, dass jemand, der ein Auto fahren kann keinen Film in eine normale Kamera eingelegt bekommt, aber das System funktioniert einwandfrei und ist wirklich ganz praktisch. Canon-FTb-Besitzer werden es kennen. Verarbeitung und Handling: In diversen Webseiten steht
zu lesen, dass man die Canonet benutzen muss, um das
spezielle Feeling zu begreifen. Stimmt schon, irgendwie.
Die Kamera macht einen ausgesprochen hochwertigen
Eindruck. Alle Bedienungselemente fühlen sich gut
an, der Widerstand beim Bewegen ist genau richtig und die
Rastpunkte sind eindeutig. Der Auslöser hat einen
definierten Druckpunkt. Nur der Filmtransporthebel
könnte für meine Begriffe etwas mehr
Rückmeldung geben. Auch die Geräusche, die die
Kamera macht, klingen für meine Ohren nach
erstklassiger Feinmechanik. Leider hat die Canonet auch ein paar Schwachpunkte. Der Verschluss neigt zum Verharzen, und die Filmtransportsperre funktioniert häufig nicht. Letzteres ist durch Verbiegen eines kleinen Hebels im Inneren der Kamera leicht zu beheben, aber man muss den Lederbezug dafür abziehen, und das macht man ja nicht gerne (Siehe Link unten auf die Seite von Rick Oleson). Ist jetzt die Canonet so toll, wie sie gemacht wird? Ich denke schon, aber ich würde keine 200 Euro dafür ausgeben. Für das Geld kann man sich mindestens 4 ähnlich tolle Kameras kaufen. Oder nur eine und der Rest bleibt für Filme. Für 60 Euro bin ich froh, sie dann doch gekauft zu haben. |
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