Kodak Retinette 1b
Diese Kamera hat mein Vater Anfang der 1960er Jahre neu gekauft. Als er sich irgendwann eine SLR-Ausrüstung zulegte, habe ich sie übernommen. Als ich noch nicht mehr Kameras hatte, als ein normaler Mensch sinnvoll benutzen kann, war diese meine mechanische Backup-Kamera, wenn ich der (vermeintlich) empfindlichen Elektronik der X-300 nicht traute, so z.B. beim Segeln oder zuletzt bei meiner Wüstenreise im Oman. Die Kodak-Kameras wurden damals in Deutschland
(Stuttgart) hergestellt, wo Kodak die Firma Nagel
aufgekauft hatte. Am bekanntesten sind heute die
Retina-Modelle, die es zunächst als Messsucherkamera
mit Faltbalgen, dann auch als Spiegelreflex gab, zum Teil
mit Wechselobjektiven. Die Retinette ist sozusagen das volkstümliche
Modell mit vereinfachten Features und vor allem ohne
Entfernungsmesser und Wechselobjektive. All das macht die Kamera zu einem unproblematischen Reisebegleiter. Die Schärfentiefe des Objektivs reicht aus, um auch ohne Entfernungsmesser mit Hilfer der Entfernungssymbole die meisten Aufnahmen scharf zu bekommen (man beachte hierzu das nebenstehende Foto, die Schärfentiefenskala scheint mir allerdings doch etwas optimistisch für ein 45-mm Objektiv), der Belichtungsmesser bewahrt einen zumindest vor groben Fehlbelichtungen (erstaunlicherweise funktioniert er nach 40 Jahren noch immer) und der hot shoe ermöglicht die unproblematische Benutzung eines Blitzgerätes. Damit fühlte man sich in den 60er Jahren fast jeder Standard-Situation gewachsen (während man dazu heute bekanntlich Matrixmessung, Multi-point-Autofocus und 35 Belichtungsautomatiken braucht. Oder zumindest ein LCD und ein 35-115mm f/4.6-13.8-Zoom an einer Plastik-point-and-shoot-Kamera...) . Das grosse Plus der Retinette ist für mich ihre
präzise und offensichtlich ausgesprochen stabile
Konstruktion (schliesslich hat sie all die
"Sondereinsätze" locker weggesteckt). Alle
mechanischen Teile (und es gibt fast nur mechanische
Teile) funktionieren heute, als wären sie neu. Ein besonderes Detail ist der von der Retina entlehnte Schnelltransporthebel rechts UNTEN an der Kamera. Vor allem, diejenigen, die mit dem linken Auge durch den Sucher schauen, werden sich darüber freuen. Der Hauptnachteil der Kamera ist natürlich der
fehlende Entfernungsmesser. |
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