Altix V

[English version]

Objektiv Wechselobjektive (Altix-Bajonett); Hier: Carl Zeiss Tessar 50 mm f/2.8, Filtergewinde 35.5mm
Verschluss Tempor-Zentralverschluss (es gab wohl auch Modelle mit Cludor-Verschluss); Zeiten: B, 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 250; Selbstauslöser, B+Selbstauslöser = ca. 2 s
Belichtungsmesser ---
Fokussierung Skala, 0,6 m bis unendlich mit dem Tessar
Sucher klein, kein Leuchtrahmen
Blitz PC Buchse
Filmtransport Abnehmbarer Boden, Klappe in der Rückwand. Daumenräder für Vor- und Rückspulen
Abmessungen b/h/t 115/70/50mm (ohne Objektiv)
Batterie ---

Diese Kamera wurde 1956 im HO-Warenhaus Rostock für 289,80 Ost-Mark verkauft, was damals ein Heidengeld gewesen sein muss. Ich habe sie im Februar 2002 für 22,50 EURO über Ebay gekauft, und sie sah aus wie neu, bis auf eine grosse Delle im Filtergewinde. Beide Male waren ein Carl Zeiss Tessar 50/2.8 dabei, und ein Selen-Belichtungsmesser Marke "Iris", der auch noch nach 40 Jahren einwandfrei anzeigte.

Die Altix ist eine Sucherkamera mit Wechselobjektiven aus der DDR, mir sind ausser dem Tessar noch Objektive mit 35, 50 und 90 mm Brennweite von Meyer Optik Görlitz bekannt, außerdem gab es einen "Universalsucher" mit aufsteckbaren Masken für eben diese drei Brennweiten. Die Herstellerfirma Altissa Kamerawerk ging Ende der 50er im Pentacon Kombinat auf.

Das Zeiss-Objektiv ist einfachvergütet und mit den Tessar-typischen Vorzügen ausgestattet. Die Naheinstellgrenze liegt bei 60 cm.

Die Kamera hat keinen eingebauten Belichtungsmesser. Der oben erwähnte Selenbelichtungsmesser lieferte erstaunlicherweise exakte Ergebnisse, ich musste lediglich die Skala erneuern (was kein Problem war, da die Skala 1:1 in der Bedienungsanleitung abgebildet war: kopieren, aufkleben, fertig!)

Leider gibt es auch keinen eingebauten Entfernungsmesser. Das macht das Scharfeinstellen ein wenig zur Glückssache, zumal bei offener Blende. Aufgrund der Bauart (Verschluss hinter dem Objektiv) lässt sich allerdings ein gekuppelter Entfernungsmesser auch schwer realisieren. Ein ungekuppelter Zubehör-Entfernungsmesser hilft.

Mechanik ohne Fehl und Tadel. Zu beachten ist, dass der Filmtransport den Verschluss entsperrt. Ist kein Film in der Kamera, kann man nicht auslösen. Die richtige Reihenfolge: Film einlegen, mit Daumenrad transportieren, Verschluss mit separatem Hebel am Objektiv spannen, Zeit einstellen, auslösen. Wer das nicht weiß oder herausfindet, der denkt womöglich, dass die Kamera kaputt ist.

Der Selbstauslöser wird durch weiterziehen des Aufzugshebels über den Druckpunkt aktiviert. Dafür gibt es einen Entsperrknopf (auf dem Bild links neben dem Objektiv), dessen Farbe für Sammler offensichtlich ziemlich wichtig ist (graues Plastik vs. Metall mit rotem Punkt). Rechts neben dem Objektiv die Blitzbuchse.

Die Kamera ist unglaublich klein und handlich, das Gehäuse kaum größer als bei der Konica C35. Das Objektiv ist dagegen relativ groß, sodass Leute mit größeren Händen kaum wissen, wo sie ihre Finger lassen sollen. Design sehr elegant, eine Mischung aus präziser Feinmechanik und gefälligem Styling, die wirklich sehr ansprechend ist. Gute Verarbeitung.

Zum Filmeinlegen hat die Altix einen herausnehmbaren Boden und eine Klappe in der Rückwand. (Erinnert euch das an Leica, die diese weltbewegende Errungenschaft auch gerade mit der M3 präsentiert hatten? Habe ich übrigens schon erwähnt, dass die Altix einen Bajonettanschluss hat? Dass man trotz Zentralverschluss das ganze Objektiv austauschen kann (und nicht nur die vorderen Linsengruppen)? Dass die Blitzsynchronisierung bei allen Zeiten funktioniert?
Zum Filmrückspulen zieht man das Transportrad heraus und dreht am Rückspulrad. Filmtransport mit Daumenrädern ist nicht jedermanns Sache, aber bei der Altix sind sie eigentlich ganz ergonomisch, ausserdem wird so das schicke, symmetrische Styling ermöglicht. Es gibt einen - nicht automatisch rückstellenden - Bildzähler.

Der Sucher ist klein und für Brillenträger kaum zu gebrauchen. Ich habe daraufhin einen Pentacon-Aufsetzsucher angekauft, der fast so aussieht, wie der Altix-Universalsucher (Mit aufclipsbaren Masken für 35, 50, 90 mm), bei dem aber leider der Parallaxenausgleich verstellt war. Jedenfalls war beim Testfilm das bildwichtige Motiv jeweils an der Kante des Negativs plaziert ... Mittlerweile benutze ich die Altix mit meinem russischen Revolversucher, der zwar etwas aufträgt, aber optisch einfach grossartig ist.

Im gleichen Design - und früher - gab es Kameras im Format 24/24 auf Kleinbildfilm. Die Nachfolger der Altix V waren die N (kompakteres, "moderneres" Design, in meinen Augen ein Verlust) und die NB (das gleiche mit Belichtungsmesser). Das Bajonett ist, soweit ich weiß, bei allen dasselbe, aber schwören kann ich's nicht.