Minolta XE 1

Objektiv Wechselobjektive mit Minolta-SR-Bajonett.
Verschluss Vertikal ablaufender Metall-Lamellen-Schlitzverschluss, Zeiten 4 Sek. bis 1/1000 Sek., "X"(1/90) und "B".
Belichtungs­messung Zwei CdS-Zellen im Prisma, Minolta CLC-System (Contrast light compensation), Ausschalter. Belichtungsmesser gekuppelt, Zeitautomatik oder manueller Modus.
Fokussierung Mattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildentfernungsmesser.
Sucher Anzeige von eingestellter und gemessener Zeit, sowie eingestellter Blende.
Blitz Blitzsynchronisierung FP und X, Hot Shoe und PC-Buchse.
Film­transport Schnellspannhebel, Rückspulkurbel, aufklappbare Rückwand, selbstrückstellendes Zählwerk, Film­transportanzeige.
Maße ca. 145/95/60 mm ohne Objektiv.
Batterie 2× SR76.

[English version]

Der Plan, eine XE1 zu kaufen, reifte recht früh, lag aber dann lange auf Eis. Die Berichte von Nutzern waren durchweg positiv, aber irgendwie nicht ganz rückhaltlos begeistert. Die mechanische Robustheit der XE bietet auch die SR-T-Serie, und das ohne von Batterien abhängig zu sein. Natürlich auch ohne Automatik. Die XD wiederum bietet eben diese (Zeit-)Automatik, zusätzlich eine Fast-Programmautomatik für Schnappschüsse und eine Belichtungsanzeige im Sucher über LED, was sie im dunkeln wesentlich leichter ablesbar macht.

Wozu also eine XE?

Egal, irgendwann wurde sie dann doch angeschafft, und wurde aus dem Stand meine bevorzugte SLR. Ich begreife immer noch nicht ganz, warum, aber ich denke, daß es letztlich daran liegt, daß ihre Eigenschaften in dieser Kombination gut zu meiner Art zu fotografieren passen.

Die Minolta XE (Japan), XE7 (USA) oder XE1 (Rest der Welt) wurde 1974 vorgestellt und stellte die Mittelklasse zwischen dem "Amateurmodell" SR-T und der gerade für den professionellen Markt herausgebrachten (und auf diesem ziemlich erfolglosen) XM/XK dar. Sie bot die CLC-Belichtungs­messung der SR-T und die Zeitautomatik der XM. Sie bot nicht deren auswechselbaren Sucher und deren Verschluss mit der zweitausendstel Sekunde. Sie bot dafür einen Verschluss, der in Zusammenarbeit mit Leitz und Copal entwickelt wurde und identisch in der Leica R3 und n ähnlicher Form, aber als Seiko-Neukonstruktion in allen späteren Leica-R-Kameras und der Minolta XD eingebaut wurde. In der Tat ist die XE bis auf den Sucher, die Elektronik und die Belichtungs­messung weitgehend baugleich mit der R3 (ironischerweise erwies sich die Minolta-Elektronik als die zuverlässigere.)

Dieser Verschluss ist ein vertikal ablaufender, elektronisch gesteuerter Schlitzverschluss. Die Verschlusszeiten reichen von 4 Sekunden bis zur 1/1000, wobei die Automatik diese stufenlos steuert, manuell können alle Zeiten in ganzen Stufen eingestellt werden. Es gibt eine mechanische "Notzeit" (X=1/90). Eingestellte Blende und Verschlusszeit werden im Sucher eingespiegelt, außerdem zeigt eine analoge Nadelanzeige die von der Belichtungs­messung ermittelte Verschlußzeit. Man kann also mit dieser Kamera arbeiten, ohne sie vom Auge zu zu nehmen. Der Sucher ist nicht so hell wie bei der XD, aber sehr gut zu überblicken und einzustellen.

An Gimmicks gibt es einen Okularverschluss für Stativaufnahmen, einen Selbstuslöser und einen Doppelbelichtungshebel, der den Film­transport auskuppelt und den Schnellspannhebel nur den Verschluss spannen lässt. Es gibt auch eine Belichtungskorrektur von +2 bis -2 Stufen. Das ist alles.

Halt! Eine Besonderheit gilt es noch zu erwähnen: Die XE kombiniert Offenblendenmessung und Arbeitsblendenmessung. Das heißt, man kann sich aussuchen, was einem lieber ist. Die Abblendetaste ist strenggenommen kein Taster, sondern ein Schalter, d.h. sie rastet ein (wie bei der SRT, z.B.). Und sie kuppelt (anders als bei der SRT) den Blendensimulator aus. Belichtungs­messung und auch Belichtungssautomatik funktionieren ohne einschränkungen auch bei gedrückter "Schärfentiefetaste". Klingt harmlos, ist aber ein sehr praktisches Feature, das die Kontrolle der Schärfentiefe erleichtert, da damit kein Zeitverlust verbunden ist.

Das Handling ist traumhaft. Die XE ist eine recht große und schwere Kamera, was die Verwacklungssicherheit erhöht, und alle wichtigen Bedienungselemente sind leicht zu erreichen (ohne die Kamera abzustzen) und unverwechselbar. Die zeitgenössischen MC-Rokkor-Objektive passen von Grösse und Gewicht am besten zu dieser Kamera, mit "Zwergen" wie dem (ansonsten wunderbaren) MD Rokkor 45/2 sieht sie irgenwie merkwürdig aus.

Haken? Wie bei allen Minolta-SLRs bis auf die XM sind weder die Sucher noch die Mattscheiben wechselbar, der Traum von einer Gittermattscheibe bleibt ein Traum (wie ich kürzlich erfuhr, gab/gibt es für die X-700 und ihre Verwandten auswechselbare Mattscheiben, zum Wechsel muß die Kamera aber in die Werkstatt). Der Selbsauslöserhebel ist aus Plastik und neigt wohl zum Abbrechen (was kein wirkliches Unglück ist). Das Zeitenrad lässt sich nur über die langen Zeiten auf die Automatikposition drehen. Auch nicht wirklich störend.

Ich tappe in die Falle, der die bisherigen Rezensenten der XE auch erlegen sind: ich lobe und preise sie, ohne dass auf dem Papier entscheidende Vorteile erkennbar sind. Es ist einfach das Gesamtbild. Man muß diese Kamera benutzen, um sie zu würdigen. Es lohnt sich. Die XE fühlt sich an wie ein ernstzunehmendes Werkzeug, und sie ist es auch. Und so fördert sie das bewusste Fotografieren.

Status März 2016: Wohnt im Schrank. Gelegentliche Nutzung.

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Last modified March 21, 2016

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